Manches passiert einfach. saniel ist so passiert. Kein Konzept, das ich an einem Schreibtisch entworfen habe – sondern eine Haltung, die sich über Jahrzehnte in Wände, auf Leinwände und in Köpfe gearbeitet hat. Meine Haltung.
Es begann unter einem Küchentisch. Während andere Kinder spielten, verschönerte ich die Unterseite des Esstisches – dort, wo niemand hinschaute. Weil leere Flächen für mich nie leer waren, sondern immer nur noch nicht fertig. Die weißen Wände meines Kinderzimmers? Bald Geschichte. Warum weiß, wenn man es persönlich haben kann?
„Es liegt im Auge des Betrachters. Wenn’s fertig ist, dann ist’s Kunst.“
Was als kindlicher Drang begann, wurde zum Ventil. Zum Ausgleich für ein intensives Berufsleben als Mediengestalter und Agenturgründer. Zu einem Ort, an dem Kontrolle keine Rolle spielt – wo Farbe, Form, Klang und Licht sich selbst eine Richtung suchen dürfen.
Ich möchte provozieren. Anregen. Irritieren. Perspektiven eröffnen, die man im Alltag nicht sieht – oder nicht sehen will. Mein Ziel ist kein ästhetischer Konsens, sondern ein Gefühl. Geborgenheit, Wut, Staunen, Unbehagen – alles ist erlaubt, solange es etwas auslöst.
Als Millennial stehe ich mit einem Fuß im Analogen und dem anderen im Digitalen. In dieser Bruchlinie lebt meine Kunst. Die Textur einer handgezeichneten Linie trifft auf den Algorithmus. Das Rauschen eines alten Kassettenrekorders trifft auf zeitgenössisches Sounddesign. Dunkelkammer-Poetik trifft auf digitale Bildkomposition.
Art. Noises. Photography. Collections. Vier Disziplinen – eine Sprache. Meine Sprache. Die eines Menschen, der nie aufgehört hat, sich die Wände selbst zu gestalten.
Geboren im analogen Zeitalter, hineingewachsen ins Digitale – diese Bruchlinie ist kein Makel. Sie ist das Material.
